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Das
Drama der Kinderseele -
wenn Eltern selber noch bedürftig sind |
Wenn
Sie ins Flugzeug steigen, rechnen Sie wohl auch damit, dass
der Pilot eine solide Ausbildung hinter sich hat und erwarten,
dass er seinen Beruf gewissenhaft ausübt. Und wenn der
Arzt Ihnen ein Medikament verschreibt? Dann gehen Sie doch
davon aus, dass er das Medizinstudium erfolgreich abgeschlossen
hat und sich regelmässig weiterbildet. In allen Berufen
werden Qualifikationen und Zertifikate benötigt.
Aber Kindererziehung ist immer noch Glücksache.
Und einige Kinder haben dabei weniger "Glück". Schlimm
ist es vor allem, wenn Eltern selber noch bedürfig sind, das
heisst selber noch "bekommen wollen" weil sie in Ihrer
Kindheit nicht die bedingungslose Liebe bekommen haben, die für
eine gesunde Selbstwertentwicklung nötig gewesen wäre.
Und so "strafen" diese Eltern unbewusst wieder ihre Kinder.
Lesen Sie hier, warum dadurch Depressionen im Erwachsenenalter
folgen können und welche Grundprinzipien für eine kindgerechte
Elternschaft gelten sollten. Ihre Kinder werden es Ihnen danken!
Wie Sie bereits beim Lesen des "Inneren
Kindes" gesehen haben, ist es nicht selbstverständlich,
dass man als Erwachsener auch tatsächlich erwachsen ist.
Und wie Sie bei den Grundformen
der Angst lesen können, gibt es verschiedenste
Spielformen, wie unsere in unserer Kindheit nicht gestillten Bedürnisse
unser Leben als Erwachsene unbewusst beeinflussen. Das merkt man
in den Situationen, wo Erwachsene Sachen einfordern wie z.B. die bedingungslose
Liebe oder wenn sie durch kindhaftes Verhalten trotzig sind.
Wirklich erwachsene Menschen haben genug bekommen, und fordern
nichts mehr ein. Sie mögen gewissen Dingen nachtrauern, sind
sich aber ihrer Defizite bewusst. Sie suchen dann nicht die "Mutter-Liebe" im
Partner, denn sie wissen "Das was ich brauche, kannst du mir
nicht geben". Eltern gegenüber sind sie nicht nachtragend über
deren Versäumnisse. Den Eltern gegenüber können
Sie sagen: "Es war genug was ihr mir gegeben habt. Den Rest
mach' ich selber." (nach Hellinger)
Das Drama aber, was Kinder erleben, wenn ihre Eltern selber noch
kindhaft sind und ungestillte Bedürfnisse mit sich herum tragen,
beschreibt Alice Miller in ihrem lesenswerten
Buch "Das Drama des begabten Kindes".
Um ein optimales Klima für die gesunde seelische Reifung eines
Kindes zu ermöglichen, müssten bestimmte Voraussetzungen
erfüllt sein. Alice Miller beschreibt dies im obengenannten
Buch folgendermassen:
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- Es ist ein ureigenes Bedürfnis des Kindes, von
Anfang an als das, was es jeweils ist, beachtet und ernst
genommen zu werden. »Das, was es jeweils ist«,
meint: Gefühle, Empfindungen und deren Ausdruck,
bereits beim Säugling.
- In einer Atmosphäre der Achtung und Toleranz
für die Gefühle des Kindes kann das Kind in
der Trennungsphase die Symbiose mit der Mutter aufgeben
und die Schritte zur Autonomie vollziehen.
- Damit diese Voraussetzungen der gesunden Entwicklung
möglich wären, müssten die Eltern dieser
Kinder ebenfalls in einem solchen Klima aufgewachsen
sein. Diese Eltern würden ihrem Kind das Gefühl
der Sicherheit und Geborgenheit vermitteln, in dem sein
Vertrauen wachsen kann.
- Eltern, die dieses Klima als Kinder nicht bekommen
haben, sind bedürftig, d. h., sie suchen
ihr ganzes Leben, was ihnen ihre eigenen Eltern zur rechten
Zeit nicht geben konnten: ein Wesen, das ganz auf sie
eingeht, sie ganz versteht und ernst nimmt.
- Dieses Suchen kann natürlich nicht voll gelingen,
denn es bezieht sich auf eine unwiderruflich vergangene
Situation, nämlich die erste Zeit nach der Geburt.
- Aber ein Mensch mit einem ungestillten und unbewussten
- weil abgewehrten - Bedürfnis ist einem Zwang unterworfen,
das Bedürfnis doch noch auf Ersatzwegen befriedigen
zu wollen, solange er seine verdrängte Lebensgeschichte
nicht kennt.
- Am meisten eignen sich dazu die eigenen Kinder. Ein
Neugeborenes ist auf Gedeih und Verderb auf seine Eltern
angewiesen. Und da seine Existenz davon abhängt,
ihre Zuwendung zu bekommen, tut es auch alles, um sie
nicht zu verlieren. Es wird vom ersten Tag an
all seine Möglichkeiten einsetzen, wie eine kleine Pflanze,
die sich nach der Sonne dreht, um zu überleben.
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Bedürfige
Menschen suchen ihr ganzes Leben, was ihnen ihre eigenen
Eltern zur rechten Zeit nicht geben konnten: Ein Wesen,
das ganz auf sie eingeht, sie ganz versteht und ernst nimmt.
Das ist die Sehnsucht nach der bedingungslosen Mutterliebe.
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Es lassen sich aufgrund
der vielen sich ähnelnden Kinderschicksalen Gemeinsamkeiten
in deren Biographie erkennen:
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Da war eine emotional tief unsichere
Mutter, die für ihr gefühlsmässiges Gleich-gewicht
auf ein bestimmtes Verhalten oder eine bestimmte Seinsweise
des Kindes angewiesen war. Diese Unsicherheit konnte
sehr wohl dem Kinde und der ganzen Umgebung hinter einer
harten, autoritären, ja totalitären Fassade
verborgen bleiben.
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Dazu kam eine erstaunliche Fähigkeit
des Kindes, dieses Bedürfnis der Mutter oder bei
der Eltern intuitiv, also auch unbewusst, zu spüren
und zu beantworten, d. h., die ihm unbewsst zugeteilte
Funktion zu übernehmen.
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Damit sicherte sich das Kind die »Liebe« der
Eltern. Es spürte, dass es gebraucht wurde, und
das gab seinem Leben die Existenzberechtigung. Die Fähigkeit
zur Anpassung wird ausgebaut und perfektioniert, und
diese Kinder werden nicht nur zu "Müttern" (Vertrauten,
Tröstern, Ratgebern, Stützen) ihrer Mutter,
sondern übernehmen auch Verantwortung für ihre
Geschwister und bilden schliesslich ein ganz besonderes
Sensorium für unbewusste Signale der Bedürfnisse
des anderen aus.
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Kein Wunder, meint Alice Miller, wenn
solche Menschen später oft den Beruf des Psychotherapeuten
wählen. Wer sonst, ohne diese Vorgeschichte, würde
das Interesse dafür aufbringen, den ganzen Tag herausfinden
zu wollen, was sich im Unbewussten des anderen abspielt?
Aber in der Ausbildung und Vervollkommnung dieses differenzierten
Sensoriums, das einst dem Kind zum Überleben verhalf
und den Erwachsenen drängt, einen helfenden Beruf
zu ergreifen, liegen auch die Wurzeln der Störung.
Sie treibt den Helfer immer wieder dazu, seine in der Kindheit
nicht erfüllten Bedürfnissen mit Ersatzpersonen
befriedigen zu wollen. Nicht selten kommt es schliesslich
zur unausweichlichen Katastrophe: Depression und Burnout.
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Fallbeispiel |
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Eine junges Paar
sitzt abends um 22.00 Uhr mit
ihren zwei kleinen Kindern im Restaurant. Die Kinder sind
sichtlich müde und der Jüngere legt sich auf zwei nebeneinader
gereihte Stühle schlafen. Der 5 jährige Sohn liegt in der
Armen seiner
Mama. Die Mutter diskutiert unentwegt mit ihrem
Bekannten.
Sie
meint
sichtlich
enerviert,
dass das ein völliger Blödsinn sei, dass die Essprobleme
des einen Sohnes damit zu tun haben könnte, weil sie öfters
mal spät ins Bett gingen... Papa fragt den Kleinen "Ach
mein Schatz, bist du müde? Wir fahren ja bald nach Hause..." und
bestellt sich noch einen Kaffee.
Weder Vater noch Mutter sehen das Bedürnis ihrer
Kinder nach Schlaf! Beiden scheint wichtiger, ihr gewohntes Leben
mit Ausgang und Freunde besuchen weiterzuführen. Die Kinder
kommen halt mit. Dass kleine Kinder einen regelmässigen Schlafrhythmus
brauchen, wüssten eigentlich beide Eltern (Sozialpädagoge
und Lehrerin!), aber ihre eigenen
Bedürfnisse sind im obigen Fall wichtiger und wollen nicht
auf ihre Freiheit verzichten. Aus diesem "nicht verzichten
wollen" erkennt man hier das "Innere Kind"-Verhalten
und die Bedürftigkeit beider Eltern. Wer darunter leidet sind
einmal mehr die eigenen Kinder.
Für was würden sich wohl die Kinder entscheiden? Lieber
zuhause im eigenen Bett mit dem Teddybär liegen oder mit Mama und
Papa
im lauten und verrauchten
Restaurant sitzen?
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Anstatt
sich allzu sehr um eine gute Erziehung ihrer Kinder
zu bemühen, sollten Eltern vermehrt sich mit sich selber
und ihrer Beziehung zum Partner beschäftigen. Denn nur
wenn ein Kind wirkliche Erwachsene als Eltern hat, die eine
gute Paarbeziehung vorleben, kann es unbekümmert in
seine Zukunft und auf seine Bedürfnisse schauen.
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Emotionaler
Missbrauch - Die unheimliche Macht der Mütter!
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Ich finde
es immer wieder erstaunlich, wie wenig über die Form
des emotionalen Missbrauchs gesprochen wird, sind
deren Folgen doch für viele Menschen lebensbestimmend
bis ins hohe Alter.
In meiner Praxis werde ich immer wieder bei Beziehungsschwierigkeiten
damit konfrontiert. Es ist erstaunlich und gleichzeitig erschreckend,
wie viele Menschen emotional vor allem von ihren Müttern abhängig
bleiben. So schilderte mir ein Klient, Mitte sechzig, dass er mit
vierzig Jahren (!) auf eine mehrjährige Auslandstelle verzichtet
hat, weil seine Mutter meinte, er könne ihr das doch nicht
antun. Dieser Mann ist als Einzelkind aufgewachsen. Als der Vater
nicht anwesend war, wurde er von seiner Mutter aufgefordert, mit
ihr im Ehebett zu schlafen. Dass dieser Mann zeitlebens unfähig
war, eine gute Partnerschaft zu leben und unter Depressionen leidet,
verwundert nicht.
Diese Situation der emotionalen Abhängigkeit sehen wir immer
wieder beim Familienstellen.
Immer dann, wenn Kinder zwischen ihren Eltern stehen und versuchen,
zu helfen. So kann eine Frau beim Vater stehen oder ein Mann bei
seiner Mutter, um den Eltern etwas zu geben, was diese anscheinend
vom Partner nicht bekommen haben. Diejenigen die dabei verlieren,
sind immer die Kinder! Denn sie verlieren ihr eigenes,
unabhängiges Leben. Darum gilt es bei Paarproblemen nachzuschauen,
ob die beiden Partner überhaupt frei für eine Partnerschaft
sind, oder ob sie noch an jemanden aus der Vergangenheit gebunden
sind.
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Die
bösen
Schwiegermütter: "Ich will doch nur das Beste für
mein Kind!" |
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Nicht wenige Mütter
versuchen, ihre Kinder bewusst oder unbewusst weiter zu beeinflussen.
Am deutlichsten sieht man das bei Schwiegermüttern.
Wie oft wissen Mütter schon in der Pubertät ihrer
Kinder, ob diejenige oder derjenige gut und richtig für
ihr Kind ist. Es fallen dabei Bemerkungen von Müttern
wie "Du
wirst schon sehen, dass ich richtig gelegen habe mit meiner
Meinung!"
Hat sich ihr Kind dann schliesslich verheiratet, scheuen sich
Mütter oft nicht, ihr Unbehagen über den Schwiegersohn
oder die Schwiegertochter auszudrücken. Es wäre interessant
herauszufinden, wie viele Mütter denken, ihr Kind hätte
einen besseren Partner verdient! Dabei missachten sie die Entscheidung
ihrer Kinder! "Weisst du, ich will doch nur das Beste für
mein Kind!" pflegen sie sich zu entschuldigen, wenn solche
Mütter sich in Beziehungsangelegen einmischen versuchen. Daher
verwundert es nicht wirklich, woher der schlechte Ruf der Schwiegermütter
kommen mag... Mischt sich eine Mutter bewusst oder inbewusst in
die Beziehung ihrer Kinder ein, kann das fatale
Folgen für die Partnerschaft haben.
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| Eltern
geben. Kinder nehmen. Kinder
geben dann ihren eigenen Kindern. Das Geben ist in die Zukunft -
nicht rückwärts
in die Vergangenheit - ausgerichtet. (Hellinger) |
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Eure Kinder sind
nicht eure Kinder |
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Einer der schönsten
Texte zu Thema Kinder und Elternsein entstammt der Feder
des arabischen Schriftstellers Khalil Gibran der 1881 geboren
wurde und im Alter von nur 50 Jahren in New York gestorben
ist. In seinem Werk "Der Prophet" hat er unter
der Überschrift "Von den Kindern" folgendes
geschrieben:
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Und eine Frau, die ein Kind an der Brust hielt, sagte:
,,Rede uns von den Kindern." Und er sprach also.
Eure Kinder sind nicht eure Kinder.
Es sind die Söhne und Töchter von des Lebens Verlangen
nach sich selber.
Sie kommen durch euch, doch nicht von euch;
und sind sie auch bei euch, so gehören sie euch doch nicht.
Ihr dürft ihnen eure Liebe geben, doch nicht eure Gedanken,
denn sie haben ihre eignen Gedanken.
Ihr dürft ihren Leib behausen. doch nicht ihre Seele,
denn ihre Seele wohnt im Hause von Morgen, das ihr nicht zu betreten
vermöget,
selbst nicht in euren Träumen.
Ihr dürft euch bestreben, ihnen gleich zu werden, doch
suchet nicht,
sie euch gleich zu machen,
denn das Leben läuft nicht rückwärts, noch verweilet
es beim Gestern.
Ihr seid die Bogen, von denen eure Kinder als lebende Pfeile entsandt
werden.
Der Schütze sieht das Zeichen auf dem Pfade der Unendlichkeit,
und Er biegt euch mit Seiner Macht, auf dass Seine Pfeile schnell und
weit fliegen.
Möge das Biegen in des Schützen Hand euch zur Freude
gereichen;
denn gleich wie Er den fliegenden Pfeil liebt,
so liebt Er auch den Bogen, der standhaft bleibt.
Khalil Gibran
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