Mit
diesem Buch im Gepäck wollte ich, damals
22 jährig, die brasilianische Spiritismus-Bewegung
selber kennen lernen. So war meine erste Station
die „Sociedade Medicina Espirita“ an
der Strasse Rio Branco Nr. 4 in Rio de
Janeiro, deren Anschrift ich aus seinem
Buch entnahm. Darauf folgten viele weitere interessante
Besuche in verschiedenen spiritistischen Zentren,
in Rio de Janeiro und danach auch in São
Paulo.
1992 habe ich dann als einziger Deutschsprachiger am Weltkongress
für Spiritismus in Madrid teilgenommen, wo
ich einige Bekannte aus Brasilien wieder traf.
In den folgenden Jahren bin ich mehrmals nach Brasilien gereist
und bin jedes Mal von der Einzigartigkeit dieses Landes fasziniert.
Gilt man in unseren Breitengraden als Spiritist als „Exot“,
ist man in Brasilien nur einer unter Millionen! Ist die Lehre
des Spiritismus bei uns fast gänzlich unbekannt, so
gibt es im Gegensatz dazu in Brasilien regelmässig
regionale und nationale Spiritistische Kongresse, Spiritistische Ärztevereinigungen
und Spiritistisch orientierte Psychiatriekliniken, unzählige
spiritistische Zeitschriften und neuerdings sogar Spiritistische
Fernsehkanäle.
„ Ich glaube nur was ich mit meinen eigenen
Augen sehe“ ist ein bekannter
Ausspruch bei uns, wenn jemand auf die sonderbaren spiritistischen Phänomene
angesprochen wird. Wer sich wirklich die Mühe machen will, ein Urteil über
den Spiritismus und seine Bewegung zu fällen, der sollte nicht zögern,
nach Brasilien zu reisen. Denn dort kann man tatsächlich mit eigenen
Augen einiges
sehen
und erleben, was es eigentlich nach unserem westlichen Weltbild nicht geben sollte!
Schliesslich wäre es ja auch vermessen, als Schweizer
zu behaupten, es könne kein Meer geben, nur weil es
in unserem Land keines gibt. Um das Meer kennen zu
lernen, müssen wir also unsere Grenzen überschreiten!
M.E. Wann und aus welchem Anlass sind
Sie zum ersten Mal nach Brasilien gereist?
R.P. Ich hatte schon vor meiner ersten Brasilienreise damit
begonnen, mich mit diesen Phänomenen zu beschäftigen.
1970 war ich auf die Philippinen gereist zu den dortigen
Heilern und wusste natürlich über Brasilien mit
seinen reichhaltigen Phänomenen aus der Literatur Bescheid.
So war mir Zé Arigo mit seinem sagenhaften Dr.
Fritz bekannt, und 1975 konnte ich dann meine erste
Südamerika-reise zusammen mit meinem damaligen fünfundsechzig
jährigen Freund antreten. Wir waren damals ein Viertel
Jahr unterwegs und besuchten auch noch Ecuador. Schon auf
dieser ersten Südamerikareise konnte ich viel Interessantes
erleben. Der Anlass, warum ich zum ersten Mal und später
immer wieder nach Brasilien reiste ist und war also die Parapsychologie.
M.E. Bisher
waren Sie 18 Mal in Südamerika. Was
hat Sie an diesen Ländern dort so
fasziniert?
R.P. Das habe ich ja schon bereits angedeutet. Abgesehen
von den Studienmöglichkeiten in parapsychologischer
Hinsicht ist Brasilien sowieso für sich schon ein faszinierendes
Land mit seiner gemischten Bevölkerung. Ich habe mich
dort eigentlich immer wohl gefühlt. Die brasilianische
Mentalität gefällt mir, obwohl seit 1975 die allgemeinen
Verhältnisse immer schlechter wurden. Die Kriminalität
hat enorm zugenommen und ich bin auch schon selber überfallen
und bestohlen worden, es ist leider nicht mehr so wie damals.
Vor allem interessierten mich die paranormalen Phänomene
in Brasilien, denn Brasilien ist das Land des Spiritismus.
Schon damals wurden die organisierten Anhänger des romanischen
Spiritismus, das ist die Richtung nach Allan Kardec, auf
50 Millionen Anhänger geschätzt.
Daneben gibt es ja noch die recht interessanten afrobrasilianischen
Kultformen von Umbanda über Quimbanda bis hin zum Voodoo,
also zur schwärzesten Magie, die es gibt. In diesen
Kreisen hat man nicht leicht Zugang, und wenn, dann wird
einem nicht alles gezeigt.
Umbanda selbst ist eine recht interessante Mischung aus Christentum
und afrikanischen Religionen auf spiritistischer Grundlage
mit praktiziertem Jenseitsverkehr. Wer diese Dinge studieren
möchte sollte unbedingt solche Veranstaltungen besuchen.
Es empfiehlt sich aber die richtige geistige Einstellung
dazu und es ist wichtig zu wissen, wie man sich gegebenenfalls
von negativen Einflüssen schützen kann.
M.E. Welches war Ihr beeindruckenstes Erlebnis in Brasilien?
R.P. Das beeindruckenste Erlebnis war zweifellos folgendes
Geschehnis. Ich hatte ein Prostataadenom, einen gutartigen
Prostatakrebs, und war schon zwei oder drei Mal an der Prostata
operiert worden, denn es wuchs immer wieder nach.
In Rio kannte ich einen Monsignore, einen Österreicher,
der mir viel von einem Trance-Chirurgen namens Lourival
de Freitas erzählt hatte. Bei diesem Priester
hatte der Heiler eine erfolgreiche Prostata-Operation vorgenommen.
Als ich wieder einmal in Brasilien war, litt ich abermals
unter akuten Prostatabeschwerden und hoffte, dass Lourival
mir helfen würde. Am letzten Tag vor meiner Abreise
traf ich ihn an. Ich konnte mich glücklich schätzen,
denn er war sehr beschäftigt. Er wurde dauernd zu irgendwelchen
Ministern und Generälen geholt. Ich war selbst einmal
Zeuge eines Anrufs aus Brasilia, der Hauptstadt, als eine
hohe Persönlichkeit anrief und fragte ob er Zeit habe.
Er würde gegebenenfalls ein Flugzeug schicken. Diese
Verbindungen zu höchsten Kreisen waren wohl auch der
Grund, dass Lourival von der Polizei unbehelligt blieb. Auch
in Brasilien gibt es ein Kurpfuschergesetz, und wenn eine
Anzeige erfolgt, gerät das gesamte Räderwerk der
Justiz in Bewegung.
Am letzten Abend traf ich also Lourival. Es befand sich gerade
eine Gruppe berühmter Schauspieler bei ihm, denn es
sollte ein Film über Kaiser Nero gedreht werden. Man
wollte über Lourival Auskünfte historischer Art über
Nero erhalten. Zugegen war auch die in Brasilien berühmte
Schauspielerin Lucelia Santos. Eine kleine hübsche Person,
die sehr stark medial veranlagt ist. Zu meinem grossen Erstaunen
fing ein Schauspieler an automatisch zu schreiben, ein anderer
ging in Trance usw.....der Einzige der sich wunderte war
ich und ich wunderte mich, dass sich die Anderen nicht wunderten.
In Brasilien ist es selbstver-ständlich, dass bei Begegnungen
einer oder mehrere der Anwesenden in Trance fallen können.
Obwohl nicht alle in Brasilien Spiritisten sind, ist man
gegenüber solchen Phänomenen recht tolerant. Eine
Tatsache, die wir hier bei uns doch vermissen.
Dann geschah genau dasselbe, was dem Monsignore damals widerfahren
war: Ich musste mich auf das Ehebett legen und meinen Unterkörper
frei machen.
Der Monsignore stützte mich ab, damit ich besser beobachten
konnte. Lucelia Santos musste die ganze Zeit den rechten
Arm auf Schulterhöhe über den Operationsbereich
halten. Sie musste so das mediale Kraftfeld verstärken.
Dann kam Lourival, drückte stark, schon fast schmerzhaft,
das leere Wasser-glas an die Schambeingegend und rüttelte.
Durch die Haut wanderte ein Fleischklumpen und fiel in das
Glas und die Sache war erledigt. Mir persönlich glaubt
man wenn ich das erzähle, weil man weiss, dass ich um
Objektivität bemüht bin und nicht irgendwelche
Wichtigtuerei dahintersteckt. Aber unglaubwürdig klingt
es trotzdem! Man müsste eigentlich annehmen, dass solche
Dinge für Wissen-schaftler hoch interessant wären
sie zu erforschen. Sie müssten geradezu begierig darauf
sein. Doch leider sind die Wissenschaftler meist nicht unabhängig
von Geschäfts- und Förderungsinteressen. Und wenn
es keine Forschungsgelder gibt, dann gibt es auch nichts
zu machen.
Nun, die Trancepersönlichkeit forderte mich mehrmals
auf, das Gewebe mitzunehmen, um es histologisch untersuchen
zu lassen um Gewissheit zu erhalten, dass es tatsächlich
mein Gewebe war. Dann habe ich einen Fehler begangen, den
ich noch bis heute bedauere. Ich spürte auf Grund der
Atmosphäre im Raum: mir war geholfen worden. Zum ersten
Mal war mir alle Wissenschaftlichkeit egal. Nachts dachte
ich, ich muss mir diesen Fleischklumpen unbedingt noch geben
lassen. Aber als wir am nächsten Vormittag zu Lourival
gingen, um uns zu verabschieden, war das Gewebe schon weggeworfen.
Wahrscheinlich ins Klo. Diesen Beweis habe ich leider verpasst.
Trotzdem war das
mein beeindruckendstes Erlebnis und ich habe seither (1983)
nie wieder nennenswerte Probleme mit der Prostata gehabt!
M.E. In
Brasilien gibt es abertausende Spiritistische
Zentren, Spiritistische Ärztevereinigungen,
Vereinigungen von spiritistischen Psychologen
und Psychiatern, jedes Jahr mehrere Spiritistische
Kongresse auch zu medizinischen Fragen,
es gibt Forschungsgruppen.... und bei
uns in Mitteleuropa weiss man im Durchschnitt
trotz Esoterik-Boom nicht einmal was
Spiritismus ist!
Was denken Sie, woher kommt diese enorme Diskrepanz?
R.P. Also, das Wort Spiritismus kennt wohl jeder, aber dieser
Begriff ist dermassen verteufelt worden, dass man dabei sofort
an Hexerei oder schwarze Magie denkt.
Das ist natürlich verkehrt und von Gegnern des Spiritismus
wird das gerne ausgenutzt. Dieser Eindruck wird durch entsprechende
Veröffentlichungen verstärkt. Woher nun diese Diskrepanz
kommt hat meiner Auffassung nach verschiedene Gründe.
Erstens liegt es an unserer über Generationen linkshirnigen
Erziehung und Bildung. Die rechtshirnigen Belange wie Intuition
usw. werden völlig vernachlässigt, und zweitens
gab es in Brasilien keine Inquisition, denn viele dieser
Gaben sind vererbbar , wie z.B. Pendeln und Hellsehen oder
sonst etwas. Dadurch dass man zehn- oder hunderttausende
Menschen mit solchen Gaben umgebracht hatte wurde auch die
Erbmasse ausgerottet. Deshalb gibt es bei uns so wenig Medien.
Und drittens kommt natürlich die Verteufelung dieser
Phänomene dazu, und das speziell auch durch die Kirche.
England macht hier in etwa eine Ausnahme, dort ist man seit
jeher offener. Dort sind auch Heiler offiziell an Krankenhäusern
zugelassen zur Unterstützung der ärztlichen Bemühungen.
Brasilien bleibt aber trotzdem ein Phänomen denn es
gibt ja die ähnlichen Verhältnissen in anderen
lateinamerikanischen Staaten, wie zum Beispiel die Rassenmischung,
es gibt zwar auch Phänomene aber nicht in dem Ausmass
wie in Brasilien! Und warum konnte dort der romanische Spiritismus
nach Allan Kardec so gewaltig Fuss fassen? In Brasilien sind
schon drei Sonderbriefmarken gedruckt worden für Allan
Kardec, dem Begründer des romanischen Spiritismus. Wäre
das bei uns vorstellbar? In der Hinsicht Leben wir im finstersten
Mittelalter.
M.E. Wie erwähnt, wird die
spiritistische Lehre trotz immer wachsenden
Kursangeboten aus spirituellen und esoterischen
Kreisen kaum je genannt. Warum ist das
Ihres Erachtens?
R.P. Ja, man muss da vor allem unterscheiden zwischen Parapsychologie
und Esoterik. Parapsychologie ist Forschung an den Grenzbereichen
des Wissens, ist sehr umfangreich und vielschichtig. Esoterik
ist ein Sammelbegriff für die unter-schiedlichsten Weltanschauungen.
Das ist grundsätzlich zweierlei. Aber innerhalb der
Esoterik befasst man sich auch mit Phänomenen und Begabungen
wofür
sich die Parapsychologie interessiert so z.B. die Medialität,
heute sagt man ja Tschänneling, das ist bloss ein neuer
Ausdruck für eine alte Sache. Es wird in der Esoterik
Hellsehen, Pendeln, Magie, Wünschelruten und so weiter
und so fort betrieben. Es werden zwar im esoterischen Bereich
verschiedene Weltanschauungen angeboten, vor allem begründet
die Esoterik auf der so genannten Theosophie der Russin Blavatsky,
und ein Grossteil aus der Theosophie entsprungenen von Rudolf
Steiner begründeten Antroposophie. Beide sind aber merkwürdigerweise
gegen den Spiritismus eingestellt. Dabei lehren sie im Prinzip
nichts anderes, nämlich dass es andere Welten gibt ,
feinstoffliche Welten, die sich unserer Wahrnehmung
entziehen, und dass man Kontakte herstellen kann mit Bewohnern
dieser anderen Dimension. Und so gesehen ist der Spiritismus
sicherlich so alt wie die Menschheit selbst. Die Bibel ist
im Grunde genommen aus dieser Sicht ein durch und durch spiritistisches
Buch, denn sie handelt von Kontakten mit dem Jenseits. Die
Propheten waren nichts anderes als was wir heute Medien oder
meinetwegen Channeling-Medien nennen. Die spirituellen Gründe
warum der Spiritismus so verteufelt und abgelehnt wird, sogar
in der esoterischen Szene, die gehen in den religiösen
Bereich hinüber, die Grundfragen über unseres Seins überhaupt,
die Fragen nach unserem Woher und wohin, nach der Frage des „wozu“ des
ganzen Theaters das wir Leben nennen. Man kommt, wenn man
sich mit diesen Dingen beschäftigt, unweigerlich zu
der Überzeugung, dass es nicht nur andere Welten gibt,
höhere und niedere, sondern auch zwei grundsätzlich
gegensätzliche Geistesströmungen gibt. Religös
ausgedrückt, ist das die Welt der Finsternis, des Satans,
und die Welt des Lichtes, Christuslicht, Gott. Dass die sehr
aktiven, hoch intelligenten Vertreter des negativen Prinzips
mit allen Kräften und Raffinessen bemüht sind,
die Lehre Christi zu schwächen und in ihrem Einfluss
und Ansehen herabzusetzen, das ist eine Tatsache, die man
im täglichen Weltgeschehen fest-stellen kann. Die allgemeine
Tendenz, Christus verächtlich zu machen, in der Kunst
oder in Theaterstücken zum Beispiel, sind Dinge, die
von einem minderen Charakter zeugen. Gleiches würde
man sich nicht erlauben gegen das Judentum oder den Islam.
Nur gegen das Christentum wagt man diese schmutzigen Methoden,
und die Kirchen schlafen ja einen recht gesunden Schlaf.
Der Christusgeist ist weitgehend kaum noch spürbar,
nur noch unter der Bevölkerung in der Stille. Diese
Feindschaft gegen das Christentum überträgt sich
logischerweise auch auf den christlichen Spiritismus. Wäre
der Spiritismus aus den Bereichen der dunklen Dimensionen
hervorgegangen, so wäre er heute weltweit hoch geachtet.
So aber weiss die dunkle Welt ganz genau, woher der Spiritismus
kommt. So war der moderne Spiritismus die geistige Gegen-bewegung
gegen den gleichzeitig auftauchenden dialektischen Materialismus,
in Form des Marxismus, der seinerzeit aufzublühen begann
und dem wir unsere jetzige Situation zu verdanken haben.
Das also sind die Hintergründe, warum in den Esoterikkreisen
kaum etwas von der reinen spiritistischen Lehre zu finden
ist.
M.E. Waren Sie selber immer schon
Vertreter des „spiritistischen
Erklärungsmodells“ in der
Parapsychologie ? (Spiritismus vs Animismus)
R.P. Nun, ich habe mich ja von Anbeginn mit der Parapsychologie
als Wissenschaft befasst. Und ich habe mir nie träumen
lassen, dass ich jemals Bücher schreiben werde und Vorträge
halte. Es hat mich fasziniert, weil in der Parapsychologie
wert-neutral geforscht wird, das heisst es wird einem nicht
gleich eine Weltanschauung aufgebrummt, nach dem Motto “Vogel
friss oder stirb”, das musst du jetzt glauben oder
nicht. Es bleibt einem selber überlassen, welche weltanschaulichen
Konsequenzen man aus den Forschungsergebnissen zieht. Und
da muss man eben beide Erklärungshypothesen, die animistische
und die spiritistische, in Betracht ziehen. Im Grunde genommen
sind es keine Gegensätze sondern nur zwei verschiedene
Fenster auf die gleiche Landschaft, und diese Landschaft
ist der Mensch. Denn viele Phänomene gehen vom Medium
und seinem Unterbewusstsein aus, sind also animistisch zu
beurteilen. Wenn man nicht sehr gewagte Hypothesen annimmt,
die über fünf Ecken zu Stande kommen und etwas
schon Rätselhaftes mit noch Rätselhafterem erklären
wollen, so kommt man bei gewissen Phänomenen aber nicht
herum, die spiritistische Hypothese als wissenschaftlich
berechtigt anzuerkennen. Es ist derart viel geforscht worden
auf diesem Gebiet, es gibt tausende Bücher und Forschungsarbeiten
darüber, dass man in der Tat sagen kann , das Ich-bewusste
Weiterleben nach dem körperlichen Tode ist bewiesen.
Und das sage ich auch öffentlich. Das wissenschaftliche
Grundwerk in deutscher Sprache ist ein dreibändiges
Werk von Dr. Emil Mattiesen mit dem Titel „Das persönliche Überleben
des Todes“, welches noch nie widerlegt worden ist.
Die Kräfte, die im Hintergrund das Weltgeschehen lenken,
haben auch kein Interesse, dass die Menschen aufgeklärt
werden. Denn wer die spiritistische Lehre begriffen hat und
um deren Anwendung im Alltag bemüht ist, der kann nicht
mehr hassen, anderen Böses tun oder lügen oder
betrügen.... nun gut, über Alltagslügen kommt
man manchmal nicht drumrum. Man denkt immer daran, dass es
das Ausgleichsgesetz gibt, selbst wenn in diesem Erdenleben
alles gut gehen mag, sobald man Drüben ist kommt der
Ausgleich. Und wer wird wohl schon so dumm sein und sich
selber schaden.
Es gibt schon solche, und das sind die Schwarzmagier, die
wissen genau Bescheid, was sie erwartet, und trotzdem machen
sie es. Sie fühlen sich ganz überzeugtermassen
zu Luzifer/ Satan hingezogen.
M.E. Welches sind die wichtigsten
Beweise/Indizien für die Existenz
von Geistern ?
Oder gibt es trotz umfangreicher Forschungen immer noch Zweifel
?
R.P. Zweifeln kann man immer! Nur sollte Skepsis eine vernünftige
Grenze haben. Denn was uns da oft als Skeptiker gegenübertritt
hat mit gesunder Skepsis nichts mehr zu tun. Sie haben ihre
vorgefassten Meinungen und „was nicht sein kann, das
nicht sein darf!“.
Zu der Frage nach den wichtigsten Beweisen, müsste ich
wohl zu weit ausholen. Nicht die einzelnen Phänomene
sind Beweis für das Überleben des körperlichen
Todes, sondern alle zusammen. So z.B. die ausserkörperlichen
Erfahrungen. Jeder der sie hatte, weiss, dass man ohne die
Benutzung des physischen Körpers existieren kann. Und
diese ausserkörperlichen Erfahrungen, die häufig
von klinisch tot gewesenen Menschen oder Menschen, die dem
Tode nahe waren, geschildert wurden, besagen, dass die Betreffenden
ihre Körper liegen sahen, sie schwebten über ihrem
Körper und beobachteten alles bei vollkommen klaren
Verstand und fühlten sich glücklich und befreit
von ihren körperlichen Schmerzen. Dann aber fanden sie
sich in ihrem Körper wieder und hatten selber erlebt,
dass es dieses Phänomens des Körperaustritts gibt.
Oft hatten sie Begegnungen mit verstorbenen Angehörigen,
mit geistigen Persönlichkeiten. Wenn man nun dies, wie
es häufig auch geschieht, mit elektrischen Restpotentialen
im Gehirn erklären will, als Halluzination und als Täuschung
deklarieren möchte, so lassen sich aber Menschen, die
ein ausserkörperliches Erlebnis hatten, nicht davon
abhalten an die Echtheit ihrer Erlebnisse zu glauben und
sagen „ich hab es erlebt, ich weiss es besser“.
Dann gibt es noch andere Phänomene die als Indizien
für die Existenz von Geistern gelten. Das sind die übereinstimmenden
Aussagen von Hellsehern aller Zeiten und Völker, die
jenen Grad der Hellsichtigkeit besassen, um Jenseitige zu
sehen und beschreiben zu können.
Beweiskräftige Manifestationen von Drüben gibt
es genug, angefangen beim medialen Schreiben, wo in der Original-schrift
des Hinübergegangen geschrieben werden kann bis zur
Vollmaterialisation eines Verstorbenen, der klar identifiziert
werden konnte. Ich habe jetzt ein Buch gelesen, das vor 120
Jahren erschien und da muss man nur staunen, was es damals
in England und Amerika an Medien, insbesondere Materialisationsmedien,
gab. Und jetzt ist alles vergessen!
Auch meine 45 jährige Arbeit wird, wenn sich nicht ein
Nachfolger findet, genauso in Vergessenheit geraten, und
das obwohl ich doch während meines Erdenlebens durch
meine Bücher, Vorträge, Seminare und Kassetten
vielen Menschen Hoffnung geben konnte, und darauf kommt es
ja schliesslich an.
Ich bin in meiner Gefangenschaft und im Krieg genug mit dem
Tod konfrontiert worden und jetzt scheint es zu meiner Aufgabe
zu gehören, dass ich anderen Menschen die Angst vor
dem Tod nehmen kann, durch die Ergebnisse der Parapsychologie,
die ich in einer volksnahen Sprache weitergebe.
M.E. Vor 150 Jahren gab es schon
etliche Literatur zur Frage der Existenz
von Geistwesen. Und es scheint, als hätten
wir seit daher noch keine wirklich grossen
Schritte erreicht und sind immer noch
am Diskutieren: gibt es sie, oder gibt
es sie nicht!
Warum ist es bis heute bei uns ein so „heisses Eisen“ geblieben?
In Brasilien nutzte man die Zeit um weiterzuschreiten, Erfahrungen
zu sammeln und zum Forschen?
R.P. Es ist doch zweifelsfrei so, dass wir den Materialismus
den Kirchen zu verdanken haben. Sie haben sich nicht oder
kaum um soziale Fragen gekümmert, haben das der Politik überlassen
und haben immer nur auf das Jenseits vertröstet „leidet
nur, es ist verdienstlich“. Dadurch hatte und hat der
dialektische Materialismus leichtes Spiel, in dem er an den
Besitzneid appelliert, indem er Klassenhass predigt, in dem
er die Weltrevolution predigt, wo das irdische Paradies dann
entstehen soll. Man schimpft sehr über das Dritte Reich,
aber man hört kaum etwas, dass der Kommunismus weit über
100 Millionen Menschen auf dem Gewissen hat. Allein in Russland
waren es über 60 Millionen. Das sind die Ergebnisse
der Lehre des Materialismus; der Feind ist kein Mensch, er
ist ein Feind der vernichtet werden muss. Und dann kommt
das Christentum und sagt, du sollst deinen Feind lieben,
wo gibt’s denn so was! Man kann doch im täglichen
Leben erfahren, dass man besser durchs Leben kommt, wenn
man rücksichtslos seine Ellbogen gebraucht. Deswegen
hat es die Gegenseite so leicht. Die meisten Menschen denken
nicht mehr nach und lassen sich alles vorkauen, vor allem
im Zeitalter des Fernsehens. Heute wird man regelrecht überflutet
und überfüttert mit Nachrichten, so dass man sie
gar nicht mehr verdauen kann, so dass man gar nicht mehr
merkt, wenn man belogen wird.
Die Brasilianer unterliegen jetzt auch diesen negativen zivilisatorischen
Einflüssen, aber sie bringen schon ihre Medialität
und ihre Mentalität mit, das ist gewachsen seit dem
Auftreten des modernen Spiritismus und wurde noch durch die
afro-brasilianischen Kulte untermauert. Aber weshalb sind
diese Bewegungen nun trotz des auch vorhandenen Materialismus
noch so stark? Weil die Menschen im Trancezustand das Jenseits
erleben! Denn in der spiritistischen Trance ragt man in
das Jenseits hinein. Im Spiritismus kommt die Geisterwelt
zu uns, im Somnambulismus, einem schlafähnlichen Zustand,
ragt man in die andere Welt hinein. Ein somnambules Medium
kann so zum Beispiel bei Fremden ärztliche Diagnosen
stellen von denen es aber nichts mehr weiss, sobald es wieder
im normalen Bewusstseinszustand ist.
Es sind sehr Interessante Gebiete und es würde sich
lohnen, sie zu erforschen. Es gibt ja sogar in der katholischen
Kirche einen Lehrstuhl für Paranormologie, das Para-normale
betreffend. Der Lehrstuhlinhaber ist ein hoch intelligenter
und fähiger Mann, Professor Dr. Dr. Pater Andreas
Resch aus Innsbruck. Er beklagte sich auch, dass
immer weniger seinen Kurs freiwillig belegen. Das ist das
Ergebnis, dass man nur noch mit Glück einen Priester
trifft, der das glaubt, was er predigt. Von den Protestanten
gar nicht zu reden, die haben ja gar ihre „Gott ist
tot“- Bewegung. Wie die Theologin Dorothea Sölle
mit ihrem Ausspruch: „Gott ist rot, tot und eine Frau“.
Wie sagte schon Goethe im Faust: „Versuch nur die Menschen
zu verwirren, sie zu befriedigen, ist schwer“. Danach
wird gehandelt, mit Erfolg!
M.E. Was ist Ihre persönliche
Erkenntnis nach über 40 Jahren Beschäftigung
mit der Parapsychologie ?
R.P. Das kann ich leicht beantworten. Es ist die gefestigte Über-zeugung,
dass wir nicht erst zu existieren begonnen haben, als wir
auf diese Welt kamen und nicht zu existieren aufhören,
wenn wir sie wieder verlassen. Dass wir zu jedem Tag und
zu jeder Stunde, bewusst oder unbewusst, aufgrund des Kausalitätsprinzips
unsere Zu-kunft gestalten, über das Grab hinaus. Das
sollte eigentlich schon genügen, um unser Leben vernünftig
zu gestalten. Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass
Religion zum Wichtigsten gehört im Menschenleben. Das
hat nichts zu tun mit Frömmelei. Dass ich ein Heiliger
würde, ist fast aussichtslos. Ich bin überzeugt
von der Existenz Jesu Christi, ich hab mich auch da sehr
reingekniet im Studium der Religionen. Da gibt es ein seltenes
Werk das in 36 Tagen von der katholischen Baronin Adelma
von Vay 1869 medial geschrieben worden ist . In ihrem Buch “Geist-Kraft-Stoff” wird
eine Schöpfungsperiode beschrieben wie sie sich in den
verschiedenen Entwicklungsstufen im All abspielen. Alle
Religionen beginnen mit der Materie, auch die jüdische.
Am Anfang war nichts und dann sprach “Gott es werde
Licht” und so weiter....und dann war schon die Materie!
So ist es nicht gewesen. Wir glauben zu wissen, dass die
Materie im gewissen Sinne eine Sinkungsstufe darstellt, eine
Stufe der Depotenz.
Wir müssen vor Urzeiten einmal einen grossen Fehler
gemacht haben, wir müssen uns irgendwie falsch verhalten
haben, so dass energetische Turbulenzen in den damaligen
Welten entstanden sind.
Diese Energieströmungen von gegensätzlicher Frequenz
führten –im Verlauf ungeheurer Zeiträume
- schliesslich zu ihrer Absonderung . Das Wort Sünde
kommt ja von absondern. Und so muss es diesen Engelsturz,
dieses Vertreiben aus dem Paradies oder diesen Geisterfall
schon mehrmals gegeben haben, bis nun auf die jetzige materielle
Seinsstufe. Das leuchtet mir mehr ein, als was der Pfarrer
erzählt.
Und auch die Erkenntnis, dass man Menschen, mit denen einem
viel verbindet, nach dem Hinübergehen in das Jenseits
wiedersehen kann, ist für mich wichtig. Das ist natürlich
nur möglich, wenn auch wir die gleiche oder eine ähnliche
Entwicklungsstufe erreicht haben wie diese Freunde. Denn
Christus hat uns ja, um wieder auf die Religion zurückzukehren,
nur den Weg geöffnet, er hat uns eine Brücke gebaut.
Darüber gehen müssen wir schon selber. Das ist
unser Beitrag an seinem Erlösungswerk. Wichtig ist,
dass wir dabei nicht nur an uns denken, sondern auch an die
Mitmenschen und vor allem an die jenseitigen Wesen, die in
dunklen Sphären leiden müssen. Wichtig ist auch,
dass wir an die Mutter Natur denken mit ihren Pflanzen und
Tieren, mit ihren Naturgeistern und Elementarwesen. All
das wissen wir schon heute, und dieses Wissen trägt
zu einer enormen Bewusstseinserweiterung bei. Dazu muss
man keine teuren Kurse belegen, denn dieses Wissen kann sich
jeder aus Büchern aneignen.
M.E. Hatten Sie im Laufe Ihrer
Forschertätigkeit selber auch schon
Zweifel über die Richtigkeit Ihrer
Erkenntnisse ?
R.P. Zweifel im Allgemeinen, an der Berechtigung der spiritistischen
Hypothese habe ich nicht. In Einzelfällen muss man aber
skeptisch sein. Manchmal ist es sehr schwer zu unterscheiden,
ob Jenseitskontakte vorliegen oder ob es sich um unbewusste
Leistungen des Mediums handelt. Hinzu kommt noch eine weitere
Schwierigkeit. Ich habe z.B. eine spiritistische Gruppe noch
junger Leute kennen gelernt. Sie machen einen sehr guten
Eindruck, sie wissen schon viel und haben auch schon Kurse
besucht. Aber die Art, wie sie den Jenseitskontakt praktizieren,
das ist haarsträubend! Sie schützen sich nicht
und gebetet wird sowieso nicht! So ein Medium das in Trance
geht ist ja wie ein Haus mit offenen Türen; da kann
jeder rein und raus wie er will, und manche wollen da dann
nicht mehr raus! In solchen Kreisen, wie bei vielen Channelingmedien,
wird alles blind geglaubt. Jaja, so spreche der St.Germain
oder der oder jener ....und diese Medien bilden sich noch
was ein darauf. Das Medium von “Ramtha” ist ja
inzwischen schon Millionärin. Ja glauben Sie denn wirklich,
dass da, trotz der frommen Worte die da gemacht werden, hohe
Geister sind, die sich manifestieren? Überhaupt nicht.
Hohe Geister vom andern, vom Fürsten der Finsternis,
das eher! Im Buch “Licht und Schatten der Esoterik” habe
ich schon manches aufgedeckt. Manchmal frage ich mich, wozu
ich dies tue, denn dadurch gefährde ich mich ja selber.
Aber ich fühle mich geborgen in einer höheren Liebe
und da kann mir nichts passieren. Ich möchte bloss meinen
Mitwanderern in gewissen Dingen ein Wegweiser sein und kann
so ihnen vielleicht bittere Erfahrungen ersparen.
An sich brauchen wir ja gar keine spiritistischen Sitzungen
mehr, es sei denn als Erlösungszirkel für die Belehrung
Jenseitiger. Wir wissen doch schon genug, was wollen wir
denn noch mehr erfahren? Wir bekommen schliesslich nur die
geistige Nahrung, die unserer Aufnahmefähigkeit entspricht!
Da müssen wir uns schon anstrengen damit wir eine höhere
Belehrung verdienen!
Als Gesamtchristenheit haben wir ja nicht einmal die Weisungen
Jesu in die Tat umgesetzt,; im Gegenteil sogar gegeneinander
Kriege geführt!
M.E. Was würden Sie heute
anders angehen, jetzt nach 40 Jahren
Rückschau, und warum?
R.P. Betreffend meiner Einstellung zum Studium dieser Phänomene
würde ich nichts anders machen und sie hat weiterhin
seine Gültigkeit.
In dem einen Fall, wo ich das Gewebe nicht mitgenommen habe,
würde ich es heute sicher anders machen.
M.E. Welchen Ratschlag geben Sie Menschen, die sich mit Parapsychologie
und Spiritismus ernsthaft beschäftigen möchten
?
R.P. Der erste Rat wäre, dass sie sich zuvor gründliche
theoretische Grundlagen aneignen bevor sie in die Praxis
einsteigen. Das ist unerlässlich. Auch in keiner anderen
Wissenschaft gehen sie an die Praxis ohne Theorie! Aber beim
Spiritismus meint jeder, er könne einfach so drauf los
experimentieren! Es ist nicht so. Selbst bei mir, obwohl
ich schon so viel gelesen, gehört und gesehen habe ist
es manchmal noch schwer festzustellen, ob ein Phänomen
echt ist oder nicht. Günstig wäre es, bei spiritistischen
Sitzungen ein hellsehendes Medium dabei zu haben, das dann
die Jenseitigen sieht. So wäre man eher davor geschüzt,
betrogen zu werden.
Wenn jemand diesen Weg gehen will, empfehle ich eine gefestigte
religiöse Grundlage. Wir sollten eine gute Portion Gottvertrauen
haben. Wir sollten Gottvertrauen entwickeln bis hin zur Gottverbundenheit,
ein Zustand wo uns nichts mehr erschüttern kann. Wenn
Sie das haben, und wenn es Ihnen um wirkliche Erkenntnis
geht, dann kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Sie
wissen, Sie haben Ihren Schutzengel und Ihre geistige Führung.
Die wollen ja auch, dass Sie diesen Weg gehen und unterstützen
Sie nach ihren Möglichkeiten!
Wenn ich so meinen Werdegang überschaue, kann ich eine
gewisse Regie erkennen. So z.B. als ich ein bestimmtes Buch
zu einem gewissen Zeitpunkt erhalten habe, oder dass ich
seltene Büchern zum Teil noch aus Ostblockländer
erhielt, obwohl das sehr schwierig war. Daher sehen Sie,
dass Ihr Arbeiten Früchte tragen wird, sofern Ihr Tun
und Wollen ernsthaft ist. Und Sie werden sehen, dass Sie
dabei ein glücklicherer Mensch werden, als wenn Sie
von all dem nichts wüssten und einfach so in den Tag
hinein lebten.
Ich kann jedem nur den Gottessegen wünschen, den ich
selber oft erfahren durfte.
Muito obrigado! Vielen Dank für das Interview.
Marcel
Eschbach
Bücher von Rudolf Passian:
Abenteuer Psi, (1978)
Neues Licht auf alte Wunder - Psi klärt Bibelwunderstreit
(1982)
Abschied ohne Wiederkehr? (1984)
Wiedergeburt - Ein Leben oder viele? (1985)
Licht und Schatten der Esoterik (2002)
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