«Sollte es nicht auch drüben einen Tod geben,
dessen Resultat irdische Geburt wäre?
Wenn ein Geist stirbt, wird er Mensch.
Wenn der Mensch stirbt, wird er Geist.»

Novalis
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  Interview mit Rudolf Passian
von Marcel Eschbach
 
       
 
Am 30. Juli 2002 traf ich, Marcel Eschbach (M.E.), den Parapsychologen und Schriftsteller Rudolf Passian (R.P.). Er erforscht seit über 45 Jahren das faszinierende Gebiet der parapsycho-logischen Phänomene. Für mich war das persönliche Kennenlernen von Herrn Passian ein bewegender Moment, habe ich es doch unter anderem ihm zu verdanken, dass ich vor über zehn Jahren den Spiritismus in Brasilien kennen gelernt hatte.

Vor meiner Abreise nach Südamerika im Sommer 1991 wurde ich auf sein Buch „Abenteuer Psi“ aufmerksam gemacht, worin Rudolf Passian seine aussergewöhnlichen Erlebnisse im grössten südamerikanischen Land schildert.
Mit diesem Buch im Gepäck wollte ich, damals 22 jährig, die brasilianische Spiritismus-Bewegung selber kennen lernen. So war meine erste Station die „Sociedade Medicina Espirita“ an der Strasse Rio Branco Nr. 4 in Rio de Janeiro, deren Anschrift ich aus seinem Buch entnahm. Darauf folgten viele weitere interessante Besuche in verschiedenen spiritistischen Zentren, in Rio de Janeiro und danach auch in São Paulo.
1992 habe ich dann als einziger Deutschsprachiger am Weltkongress für Spiritismus in Madrid teilgenommen, wo ich einige Bekannte aus Brasilien wieder traf.
In den folgenden Jahren bin ich mehrmals nach Brasilien gereist und bin jedes Mal von der Einzigartigkeit dieses Landes fasziniert. Gilt man in unseren Breitengraden als Spiritist als „Exot“, ist man in Brasilien nur einer unter Millionen! Ist die Lehre des Spiritismus bei uns fast gänzlich unbekannt, so gibt es im Gegensatz dazu in Brasilien regelmässig regionale und nationale Spiritistische Kongresse, Spiritistische Ärztevereinigungen und Spiritistisch orientierte Psychiatriekliniken, unzählige spiritistische Zeitschriften und neuerdings sogar Spiritistische Fernsehkanäle.

„ Ich glaube nur was ich mit meinen eigenen Augen sehe“
ist ein bekannter Ausspruch bei uns, wenn jemand auf die sonderbaren spiritistischen Phänomene angesprochen wird. Wer sich wirklich die Mühe machen will, ein Urteil über den Spiritismus und seine Bewegung zu fällen, der sollte nicht zögern, nach Brasilien zu reisen. Denn dort kann man tatsächlich mit eigenen Augen einiges sehen und erleben, was es eigentlich nach unserem westlichen Weltbild nicht geben sollte!
Schliesslich wäre es ja auch vermessen, als Schweizer zu behaupten, es könne kein Meer geben, nur weil es in unserem Land keines gibt. Um das Meer kennen zu lernen, müssen wir also unsere Grenzen überschreiten!


M.E. Wann und aus welchem Anlass sind Sie zum ersten Mal nach Brasilien gereist?
R.P. Ich hatte schon vor meiner ersten Brasilienreise damit begonnen, mich mit diesen Phänomenen zu beschäftigen. 1970 war ich auf die Philippinen gereist zu den dortigen Heilern und wusste natürlich über Brasilien mit seinen reichhaltigen Phänomenen aus der Literatur Bescheid. So war mir Zé Arigo mit seinem sagenhaften Dr. Fritz bekannt, und 1975 konnte ich dann meine erste Südamerika-reise zusammen mit meinem damaligen fünfundsechzig jährigen Freund antreten. Wir waren damals ein Viertel Jahr unterwegs und besuchten auch noch Ecuador. Schon auf dieser ersten Südamerikareise konnte ich viel Interessantes erleben. Der Anlass, warum ich zum ersten Mal und später immer wieder nach Brasilien reiste ist und war also die Parapsychologie.

M.E. Bisher waren Sie 18 Mal in Südamerika. Was hat Sie an diesen Ländern dort so fasziniert?

R.P. Das habe ich ja schon bereits angedeutet. Abgesehen von den Studienmöglichkeiten in parapsychologischer Hinsicht ist Brasilien sowieso für sich schon ein faszinierendes Land mit seiner gemischten Bevölkerung. Ich habe mich dort eigentlich immer wohl gefühlt. Die brasilianische Mentalität gefällt mir, obwohl seit 1975 die allgemeinen Verhältnisse immer schlechter wurden. Die Kriminalität hat enorm zugenommen und ich bin auch schon selber überfallen und bestohlen worden, es ist leider nicht mehr so wie damals.
Vor allem interessierten mich die paranormalen Phänomene in Brasilien, denn Brasilien ist das Land des Spiritismus. Schon damals wurden die organisierten Anhänger des romanischen Spiritismus, das ist die Richtung nach Allan Kardec, auf 50 Millionen Anhänger geschätzt.
Daneben gibt es ja noch die recht interessanten afrobrasilianischen Kultformen von Umbanda über Quimbanda bis hin zum Voodoo, also zur schwärzesten Magie, die es gibt. In diesen Kreisen hat man nicht leicht Zugang, und wenn, dann wird einem nicht alles gezeigt.
Umbanda selbst ist eine recht interessante Mischung aus Christentum und afrikanischen Religionen auf spiritistischer Grundlage mit praktiziertem Jenseitsverkehr. Wer diese Dinge studieren möchte sollte unbedingt solche Veranstaltungen besuchen. Es empfiehlt sich aber die richtige geistige Einstellung dazu und es ist wichtig zu wissen, wie man sich gegebenenfalls von negativen Einflüssen schützen kann.

M.E. Welches war Ihr beeindruckenstes Erlebnis in Brasilien?

R.P. Das beeindruckenste Erlebnis war zweifellos folgendes Geschehnis. Ich hatte ein Prostataadenom, einen gutartigen Prostatakrebs, und war schon zwei oder drei Mal an der Prostata operiert worden, denn es wuchs immer wieder nach.
In Rio kannte ich einen Monsignore, einen Österreicher, der mir viel von einem Trance-Chirurgen namens Lourival de Freitas erzählt hatte. Bei diesem Priester hatte der Heiler eine erfolgreiche Prostata-Operation vorgenommen.
Als ich wieder einmal in Brasilien war, litt ich abermals unter akuten Prostatabeschwerden und hoffte, dass Lourival mir helfen würde. Am letzten Tag vor meiner Abreise traf ich ihn an. Ich konnte mich glücklich schätzen, denn er war sehr beschäftigt. Er wurde dauernd zu irgendwelchen Ministern und Generälen geholt. Ich war selbst einmal Zeuge eines Anrufs aus Brasilia, der Hauptstadt, als eine hohe Persönlichkeit anrief und fragte ob er Zeit habe. Er würde gegebenenfalls ein Flugzeug schicken. Diese Verbindungen zu höchsten Kreisen waren wohl auch der Grund, dass Lourival von der Polizei unbehelligt blieb. Auch in Brasilien gibt es ein Kurpfuschergesetz, und wenn eine Anzeige erfolgt, gerät das gesamte Räderwerk der Justiz in Bewegung.
Am letzten Abend traf ich also Lourival. Es befand sich gerade eine Gruppe berühmter Schauspieler bei ihm, denn es sollte ein Film über Kaiser Nero gedreht werden. Man wollte über Lourival Auskünfte historischer Art über Nero erhalten. Zugegen war auch die in Brasilien berühmte Schauspielerin Lucelia Santos. Eine kleine hübsche Person, die sehr stark medial veranlagt ist. Zu meinem grossen Erstaunen fing ein Schauspieler an automatisch zu schreiben, ein anderer ging in Trance usw.....der Einzige der sich wunderte war ich und ich wunderte mich, dass sich die Anderen nicht wunderten. In Brasilien ist es selbstver-ständlich, dass bei Begegnungen einer oder mehrere der Anwesenden in Trance fallen können. Obwohl nicht alle in Brasilien Spiritisten sind, ist man gegenüber solchen Phänomenen recht tolerant. Eine Tatsache, die wir hier bei uns doch vermissen.
Dann geschah genau dasselbe, was dem Monsignore damals widerfahren war: Ich musste mich auf das Ehebett legen und meinen Unterkörper frei machen.
Der Monsignore stützte mich ab, damit ich besser beobachten konnte. Lucelia Santos musste die ganze Zeit den rechten Arm auf Schulterhöhe über den Operationsbereich halten. Sie musste so das mediale Kraftfeld verstärken. Dann kam Lourival, drückte stark, schon fast schmerzhaft, das leere Wasser-glas an die Schambeingegend und rüttelte. Durch die Haut wanderte ein Fleischklumpen und fiel in das Glas und die Sache war erledigt. Mir persönlich glaubt man wenn ich das erzähle, weil man weiss, dass ich um Objektivität bemüht bin und nicht irgendwelche Wichtigtuerei dahintersteckt. Aber unglaubwürdig klingt es trotzdem! Man müsste eigentlich annehmen, dass solche Dinge für Wissen-schaftler hoch interessant wären sie zu erforschen. Sie müssten geradezu begierig darauf sein. Doch leider sind die Wissenschaftler meist nicht unabhängig von Geschäfts- und Förderungsinteressen. Und wenn es keine Forschungsgelder gibt, dann gibt es auch nichts zu machen.
Nun, die Trancepersönlichkeit forderte mich mehrmals auf, das Gewebe mitzunehmen, um es histologisch untersuchen zu lassen um Gewissheit zu erhalten, dass es tatsächlich mein Gewebe war. Dann habe ich einen Fehler begangen, den ich noch bis heute bedauere. Ich spürte auf Grund der Atmosphäre im Raum: mir war geholfen worden. Zum ersten Mal war mir alle Wissenschaftlichkeit egal. Nachts dachte ich, ich muss mir diesen Fleischklumpen unbedingt noch geben lassen. Aber als wir am nächsten Vormittag zu Lourival gingen, um uns zu verabschieden, war das Gewebe schon weggeworfen. Wahrscheinlich ins Klo. Diesen Beweis habe ich leider verpasst. Trotzdem war das
mein beeindruckendstes Erlebnis und ich habe seither (1983) nie wieder nennenswerte Probleme mit der Prostata gehabt!

M.E. In Brasilien gibt es abertausende Spiritistische Zentren, Spiritistische Ärztevereinigungen, Vereinigungen von spiritistischen Psychologen und Psychiatern, jedes Jahr mehrere Spiritistische Kongresse auch zu medizinischen Fragen, es gibt Forschungsgruppen.... und bei uns in Mitteleuropa weiss man im Durchschnitt trotz Esoterik-Boom nicht einmal was Spiritismus ist!
Was denken Sie, woher kommt diese enorme Diskrepanz?

R.P. Also, das Wort Spiritismus kennt wohl jeder, aber dieser Begriff ist dermassen verteufelt worden, dass man dabei sofort an Hexerei oder schwarze Magie denkt.
Das ist natürlich verkehrt und von Gegnern des Spiritismus wird das gerne ausgenutzt. Dieser Eindruck wird durch entsprechende Veröffentlichungen verstärkt. Woher nun diese Diskrepanz kommt hat meiner Auffassung nach verschiedene Gründe. Erstens liegt es an unserer über Generationen linkshirnigen Erziehung und Bildung. Die rechtshirnigen Belange wie Intuition usw. werden völlig vernachlässigt, und zweitens gab es in Brasilien keine Inquisition, denn viele dieser Gaben sind vererbbar , wie z.B. Pendeln und Hellsehen oder sonst etwas. Dadurch dass man zehn- oder hunderttausende Menschen mit solchen Gaben umgebracht hatte wurde auch die Erbmasse ausgerottet. Deshalb gibt es bei uns so wenig Medien. Und drittens kommt natürlich die Verteufelung dieser Phänomene dazu, und das speziell auch durch die Kirche. England macht hier in etwa eine Ausnahme, dort ist man seit jeher offener. Dort sind auch Heiler offiziell an Krankenhäusern zugelassen zur Unterstützung der ärztlichen Bemühungen. Brasilien bleibt aber trotzdem ein Phänomen denn es gibt ja die ähnlichen Verhältnissen in anderen lateinamerikanischen Staaten, wie zum Beispiel die Rassenmischung, es gibt zwar auch Phänomene aber nicht in dem Ausmass wie in Brasilien! Und warum konnte dort der romanische Spiritismus nach Allan Kardec so gewaltig Fuss fassen? In Brasilien sind schon drei Sonderbriefmarken gedruckt worden für Allan Kardec, dem Begründer des romanischen Spiritismus. Wäre das bei uns vorstellbar? In der Hinsicht Leben wir im finstersten Mittelalter.

M.E. Wie erwähnt, wird die spiritistische Lehre trotz immer wachsenden Kursangeboten aus spirituellen und esoterischen Kreisen kaum je genannt. Warum ist das Ihres Erachtens?
R.P. Ja, man muss da vor allem unterscheiden zwischen Parapsychologie und Esoterik. Parapsychologie ist Forschung an den Grenzbereichen des Wissens, ist sehr umfangreich und vielschichtig. Esoterik ist ein Sammelbegriff für die unter-schiedlichsten Weltanschauungen. Das ist grundsätzlich zweierlei. Aber innerhalb der Esoterik befasst man sich auch mit Phänomenen und Begabungen wofür
sich die Parapsychologie interessiert so z.B. die Medialität, heute sagt man ja Tschänneling, das ist bloss ein neuer Ausdruck für eine alte Sache. Es wird in der Esoterik Hellsehen, Pendeln, Magie, Wünschelruten und so weiter und so fort betrieben. Es werden zwar im esoterischen Bereich verschiedene Weltanschauungen angeboten, vor allem begründet die Esoterik auf der so genannten Theosophie der Russin Blavatsky, und ein Grossteil aus der Theosophie entsprungenen von Rudolf Steiner begründeten Antroposophie. Beide sind aber merkwürdigerweise gegen den Spiritismus eingestellt. Dabei lehren sie im Prinzip nichts anderes, nämlich dass es andere Welten gibt , feinstoffliche Welten, die sich unserer Wahrnehmung entziehen, und dass man Kontakte herstellen kann mit Bewohnern dieser anderen Dimension. Und so gesehen ist der Spiritismus sicherlich so alt wie die Menschheit selbst. Die Bibel ist im Grunde genommen aus dieser Sicht ein durch und durch spiritistisches Buch, denn sie handelt von Kontakten mit dem Jenseits. Die Propheten waren nichts anderes als was wir heute Medien oder meinetwegen Channeling-Medien nennen. Die spirituellen Gründe warum der Spiritismus so verteufelt und abgelehnt wird, sogar in der esoterischen Szene, die gehen in den religiösen Bereich hinüber, die Grundfragen über unseres Seins überhaupt, die Fragen nach unserem Woher und wohin, nach der Frage des „wozu“ des ganzen Theaters das wir Leben nennen. Man kommt, wenn man sich mit diesen Dingen beschäftigt, unweigerlich zu der Überzeugung, dass es nicht nur andere Welten gibt, höhere und niedere, sondern auch zwei grundsätzlich gegensätzliche Geistesströmungen gibt. Religös ausgedrückt, ist das die Welt der Finsternis, des Satans, und die Welt des Lichtes, Christuslicht, Gott. Dass die sehr aktiven, hoch intelligenten Vertreter des negativen Prinzips mit allen Kräften und Raffinessen bemüht sind, die Lehre Christi zu schwächen und in ihrem Einfluss und Ansehen herabzusetzen, das ist eine Tatsache, die man im täglichen Weltgeschehen fest-stellen kann. Die allgemeine Tendenz, Christus verächtlich zu machen, in der Kunst oder in Theaterstücken zum Beispiel, sind Dinge, die von einem minderen Charakter zeugen. Gleiches würde man sich nicht erlauben gegen das Judentum oder den Islam. Nur gegen das Christentum wagt man diese schmutzigen Methoden, und die Kirchen schlafen ja einen recht gesunden Schlaf. Der Christusgeist ist weitgehend kaum noch spürbar, nur noch unter der Bevölkerung in der Stille. Diese Feindschaft gegen das Christentum überträgt sich logischerweise auch auf den christlichen Spiritismus. Wäre der Spiritismus aus den Bereichen der dunklen Dimensionen hervorgegangen, so wäre er heute weltweit hoch geachtet. So aber weiss die dunkle Welt ganz genau, woher der Spiritismus kommt. So war der moderne Spiritismus die geistige Gegen-bewegung gegen den gleichzeitig auftauchenden dialektischen Materialismus, in Form des Marxismus, der seinerzeit aufzublühen begann und dem wir unsere jetzige Situation zu verdanken haben. Das also sind die Hintergründe, warum in den Esoterikkreisen kaum etwas von der reinen spiritistischen Lehre zu finden ist.

M.E. Waren Sie selber immer schon Vertreter des „spiritistischen Erklärungsmodells“ in der Parapsychologie ? (Spiritismus vs Animismus)
R.P. Nun, ich habe mich ja von Anbeginn mit der Parapsychologie als Wissenschaft befasst. Und ich habe mir nie träumen lassen, dass ich jemals Bücher schreiben werde und Vorträge halte. Es hat mich fasziniert, weil in der Parapsychologie wert-neutral geforscht wird, das heisst es wird einem nicht gleich eine Weltanschauung aufgebrummt, nach dem Motto “Vogel friss oder stirb”, das musst du jetzt glauben oder nicht. Es bleibt einem selber überlassen, welche weltanschaulichen Konsequenzen man aus den Forschungsergebnissen zieht. Und da muss man eben beide Erklärungshypothesen, die animistische und die spiritistische, in Betracht ziehen. Im Grunde genommen sind es keine Gegensätze sondern nur zwei verschiedene Fenster auf die gleiche Landschaft, und diese Landschaft ist der Mensch. Denn viele Phänomene gehen vom Medium und seinem Unterbewusstsein aus, sind also animistisch zu beurteilen. Wenn man nicht sehr gewagte Hypothesen annimmt, die über fünf Ecken zu Stande kommen und etwas schon Rätselhaftes mit noch Rätselhafterem erklären wollen, so kommt man bei gewissen Phänomenen aber nicht herum, die spiritistische Hypothese als wissenschaftlich berechtigt anzuerkennen. Es ist derart viel geforscht worden auf diesem Gebiet, es gibt tausende Bücher und Forschungsarbeiten darüber, dass man in der Tat sagen kann , das Ich-bewusste Weiterleben nach dem körperlichen Tode ist bewiesen. Und das sage ich auch öffentlich. Das wissenschaftliche Grundwerk in deutscher Sprache ist ein dreibändiges Werk von Dr. Emil Mattiesen mit dem Titel „Das persönliche Überleben des Todes“, welches noch nie widerlegt worden ist. Die Kräfte, die im Hintergrund das Weltgeschehen lenken, haben auch kein Interesse, dass die Menschen aufgeklärt werden. Denn wer die spiritistische Lehre begriffen hat und um deren Anwendung im Alltag bemüht ist, der kann nicht mehr hassen, anderen Böses tun oder lügen oder betrügen.... nun gut, über Alltagslügen kommt man manchmal nicht drumrum. Man denkt immer daran, dass es das Ausgleichsgesetz gibt, selbst wenn in diesem Erdenleben alles gut gehen mag, sobald man Drüben ist kommt der Ausgleich. Und wer wird wohl schon so dumm sein und sich selber schaden.
Es gibt schon solche, und das sind die Schwarzmagier, die wissen genau Bescheid, was sie erwartet, und trotzdem machen sie es. Sie fühlen sich ganz überzeugtermassen zu Luzifer/ Satan hingezogen.

M.E. Welches sind die wichtigsten Beweise/Indizien für die Existenz von Geistern ?
Oder gibt es trotz umfangreicher Forschungen immer noch Zweifel ?

R.P. Zweifeln kann man immer! Nur sollte Skepsis eine vernünftige Grenze haben. Denn was uns da oft als Skeptiker gegenübertritt hat mit gesunder Skepsis nichts mehr zu tun. Sie haben ihre vorgefassten Meinungen und „was nicht sein kann, das nicht sein darf!“.
Zu der Frage nach den wichtigsten Beweisen, müsste ich wohl zu weit ausholen. Nicht die einzelnen Phänomene sind Beweis für das Überleben des körperlichen Todes, sondern alle zusammen. So z.B. die ausserkörperlichen Erfahrungen. Jeder der sie hatte, weiss, dass man ohne die Benutzung des physischen Körpers existieren kann. Und diese ausserkörperlichen Erfahrungen, die häufig von klinisch tot gewesenen Menschen oder Menschen, die dem Tode nahe waren, geschildert wurden, besagen, dass die Betreffenden ihre Körper liegen sahen, sie schwebten über ihrem Körper und beobachteten alles bei vollkommen klaren Verstand und fühlten sich glücklich und befreit von ihren körperlichen Schmerzen. Dann aber fanden sie sich in ihrem Körper wieder und hatten selber erlebt, dass es dieses Phänomens des Körperaustritts gibt. Oft hatten sie Begegnungen mit verstorbenen Angehörigen, mit geistigen Persönlichkeiten. Wenn man nun dies, wie es häufig auch geschieht, mit elektrischen Restpotentialen im Gehirn erklären will, als Halluzination und als Täuschung deklarieren möchte, so lassen sich aber Menschen, die ein ausserkörperliches Erlebnis hatten, nicht davon abhalten an die Echtheit ihrer Erlebnisse zu glauben und sagen „ich hab es erlebt, ich weiss es besser“.
Dann gibt es noch andere Phänomene die als Indizien für die Existenz von Geistern gelten. Das sind die übereinstimmenden Aussagen von Hellsehern aller Zeiten und Völker, die jenen Grad der Hellsichtigkeit besassen, um Jenseitige zu sehen und beschreiben zu können.
Beweiskräftige Manifestationen von Drüben gibt es genug, angefangen beim medialen Schreiben, wo in der Original-schrift des Hinübergegangen geschrieben werden kann bis zur Vollmaterialisation eines Verstorbenen, der klar identifiziert werden konnte. Ich habe jetzt ein Buch gelesen, das vor 120 Jahren erschien und da muss man nur staunen, was es damals in England und Amerika an Medien, insbesondere Materialisationsmedien, gab. Und jetzt ist alles vergessen!
Auch meine 45 jährige Arbeit wird, wenn sich nicht ein Nachfolger findet, genauso in Vergessenheit geraten, und das obwohl ich doch während meines Erdenlebens durch meine Bücher, Vorträge, Seminare und Kassetten vielen Menschen Hoffnung geben konnte, und darauf kommt es ja schliesslich an.
Ich bin in meiner Gefangenschaft und im Krieg genug mit dem Tod konfrontiert worden und jetzt scheint es zu meiner Aufgabe zu gehören, dass ich anderen Menschen die Angst vor dem Tod nehmen kann, durch die Ergebnisse der Parapsychologie, die ich in einer volksnahen Sprache weitergebe.

M.E. Vor 150 Jahren gab es schon etliche Literatur zur Frage der Existenz von Geistwesen. Und es scheint, als hätten wir seit daher noch keine wirklich grossen Schritte erreicht und sind immer noch am Diskutieren: gibt es sie, oder gibt es sie nicht!
Warum ist es bis heute bei uns ein so „heisses Eisen“ geblieben? In Brasilien nutzte man die Zeit um weiterzuschreiten, Erfahrungen zu sammeln und zum Forschen?

R.P. Es ist doch zweifelsfrei so, dass wir den Materialismus den Kirchen zu verdanken haben. Sie haben sich nicht oder kaum um soziale Fragen gekümmert, haben das der Politik überlassen und haben immer nur auf das Jenseits vertröstet „leidet nur, es ist verdienstlich“. Dadurch hatte und hat der dialektische Materialismus leichtes Spiel, in dem er an den Besitzneid appelliert, indem er Klassenhass predigt, in dem er die Weltrevolution predigt, wo das irdische Paradies dann entstehen soll. Man schimpft sehr über das Dritte Reich, aber man hört kaum etwas, dass der Kommunismus weit über 100 Millionen Menschen auf dem Gewissen hat. Allein in Russland waren es über 60 Millionen. Das sind die Ergebnisse der Lehre des Materialismus; der Feind ist kein Mensch, er ist ein Feind der vernichtet werden muss. Und dann kommt das Christentum und sagt, du sollst deinen Feind lieben, wo gibt’s denn so was! Man kann doch im täglichen Leben erfahren, dass man besser durchs Leben kommt, wenn man rücksichtslos seine Ellbogen gebraucht. Deswegen hat es die Gegenseite so leicht. Die meisten Menschen denken nicht mehr nach und lassen sich alles vorkauen, vor allem im Zeitalter des Fernsehens. Heute wird man regelrecht überflutet und überfüttert mit Nachrichten, so dass man sie gar nicht mehr verdauen kann, so dass man gar nicht mehr merkt, wenn man belogen wird.
Die Brasilianer unterliegen jetzt auch diesen negativen zivilisatorischen Einflüssen, aber sie bringen schon ihre Medialität und ihre Mentalität mit, das ist gewachsen seit dem Auftreten des modernen Spiritismus und wurde noch durch die afro-brasilianischen Kulte untermauert. Aber weshalb sind diese Bewegungen nun trotz des auch vorhandenen Materialismus noch so stark? Weil die Menschen im Trancezustand das Jenseits erleben! Denn in der spiritistischen Trance ragt man in das Jenseits hinein. Im Spiritismus kommt die Geisterwelt zu uns, im Somnambulismus, einem schlafähnlichen Zustand, ragt man in die andere Welt hinein. Ein somnambules Medium kann so zum Beispiel bei Fremden ärztliche Diagnosen stellen von denen es aber nichts mehr weiss, sobald es wieder im normalen Bewusstseinszustand ist.
Es sind sehr Interessante Gebiete und es würde sich lohnen, sie zu erforschen. Es gibt ja sogar in der katholischen Kirche einen Lehrstuhl für Paranormologie, das Para-normale betreffend. Der Lehrstuhlinhaber ist ein hoch intelligenter und fähiger Mann, Professor Dr. Dr. Pater Andreas Resch aus Innsbruck. Er beklagte sich auch, dass immer weniger seinen Kurs freiwillig belegen. Das ist das Ergebnis, dass man nur noch mit Glück einen Priester trifft, der das glaubt, was er predigt. Von den Protestanten gar nicht zu reden, die haben ja gar ihre „Gott ist tot“- Bewegung. Wie die Theologin Dorothea Sölle mit ihrem Ausspruch: „Gott ist rot, tot und eine Frau“. Wie sagte schon Goethe im Faust: „Versuch nur die Menschen zu verwirren, sie zu befriedigen, ist schwer“. Danach wird gehandelt, mit Erfolg!

M.E. Was ist Ihre persönliche Erkenntnis nach über 40 Jahren Beschäftigung mit der Parapsychologie ?
R.P. Das kann ich leicht beantworten. Es ist die gefestigte Über-zeugung, dass wir nicht erst zu existieren begonnen haben, als wir auf diese Welt kamen und nicht zu existieren aufhören, wenn wir sie wieder verlassen. Dass wir zu jedem Tag und zu jeder Stunde, bewusst oder unbewusst, aufgrund des Kausalitätsprinzips unsere Zu-kunft gestalten, über das Grab hinaus. Das sollte eigentlich schon genügen, um unser Leben vernünftig zu gestalten. Ich bin zu der Überzeugung gelangt, dass Religion zum Wichtigsten gehört im Menschenleben. Das hat nichts zu tun mit Frömmelei. Dass ich ein Heiliger würde, ist fast aussichtslos. Ich bin überzeugt von der Existenz Jesu Christi, ich hab mich auch da sehr reingekniet im Studium der Religionen. Da gibt es ein seltenes Werk das in 36 Tagen von der katholischen Baronin Adelma von Vay 1869 medial geschrieben worden ist . In ihrem Buch “Geist-Kraft-Stoff” wird eine Schöpfungsperiode beschrieben wie sie sich in den verschiedenen Entwicklungsstufen im All abspielen. Alle Religionen beginnen mit der Materie, auch die jüdische. Am Anfang war nichts und dann sprach “Gott es werde Licht” und so weiter....und dann war schon die Materie! So ist es nicht gewesen. Wir glauben zu wissen, dass die Materie im gewissen Sinne eine Sinkungsstufe darstellt, eine Stufe der Depotenz.
Wir müssen vor Urzeiten einmal einen grossen Fehler gemacht haben, wir müssen uns irgendwie falsch verhalten haben, so dass energetische Turbulenzen in den damaligen Welten entstanden sind.
Diese Energieströmungen von gegensätzlicher Frequenz führten –im Verlauf ungeheurer Zeiträume - schliesslich zu ihrer Absonderung . Das Wort Sünde kommt ja von absondern. Und so muss es diesen Engelsturz, dieses Vertreiben aus dem Paradies oder diesen Geisterfall schon mehrmals gegeben haben, bis nun auf die jetzige materielle Seinsstufe. Das leuchtet mir mehr ein, als was der Pfarrer erzählt.
Und auch die Erkenntnis, dass man Menschen, mit denen einem viel verbindet, nach dem Hinübergehen in das Jenseits wiedersehen kann, ist für mich wichtig. Das ist natürlich nur möglich, wenn auch wir die gleiche oder eine ähnliche Entwicklungsstufe erreicht haben wie diese Freunde. Denn Christus hat uns ja, um wieder auf die Religion zurückzukehren, nur den Weg geöffnet, er hat uns eine Brücke gebaut. Darüber gehen müssen wir schon selber. Das ist unser Beitrag an seinem Erlösungswerk. Wichtig ist, dass wir dabei nicht nur an uns denken, sondern auch an die Mitmenschen und vor allem an die jenseitigen Wesen, die in dunklen Sphären leiden müssen. Wichtig ist auch, dass wir an die Mutter Natur denken mit ihren Pflanzen und Tieren, mit ihren Naturgeistern und Elementarwesen. All das wissen wir schon heute, und dieses Wissen trägt zu einer enormen Bewusstseinserweiterung bei. Dazu muss man keine teuren Kurse belegen, denn dieses Wissen kann sich jeder aus Büchern aneignen.

M.E. Hatten Sie im Laufe Ihrer Forschertätigkeit selber auch schon Zweifel über die Richtigkeit Ihrer Erkenntnisse ?
R.P. Zweifel im Allgemeinen, an der Berechtigung der spiritistischen Hypothese habe ich nicht. In Einzelfällen muss man aber skeptisch sein. Manchmal ist es sehr schwer zu unterscheiden, ob Jenseitskontakte vorliegen oder ob es sich um unbewusste Leistungen des Mediums handelt. Hinzu kommt noch eine weitere Schwierigkeit. Ich habe z.B. eine spiritistische Gruppe noch junger Leute kennen gelernt. Sie machen einen sehr guten Eindruck, sie wissen schon viel und haben auch schon Kurse besucht. Aber die Art, wie sie den Jenseitskontakt praktizieren, das ist haarsträubend! Sie schützen sich nicht und gebetet wird sowieso nicht! So ein Medium das in Trance geht ist ja wie ein Haus mit offenen Türen; da kann jeder rein und raus wie er will, und manche wollen da dann nicht mehr raus! In solchen Kreisen, wie bei vielen Channelingmedien, wird alles blind geglaubt. Jaja, so spreche der St.Germain oder der oder jener ....und diese Medien bilden sich noch was ein darauf. Das Medium von “Ramtha” ist ja inzwischen schon Millionärin. Ja glauben Sie denn wirklich, dass da, trotz der frommen Worte die da gemacht werden, hohe Geister sind, die sich manifestieren? Überhaupt nicht. Hohe Geister vom andern, vom Fürsten der Finsternis, das eher! Im Buch “Licht und Schatten der Esoterik” habe ich schon manches aufgedeckt. Manchmal frage ich mich, wozu ich dies tue, denn dadurch gefährde ich mich ja selber. Aber ich fühle mich geborgen in einer höheren Liebe und da kann mir nichts passieren. Ich möchte bloss meinen Mitwanderern in gewissen Dingen ein Wegweiser sein und kann so ihnen vielleicht bittere Erfahrungen ersparen.
An sich brauchen wir ja gar keine spiritistischen Sitzungen mehr, es sei denn als Erlösungszirkel für die Belehrung Jenseitiger. Wir wissen doch schon genug, was wollen wir denn noch mehr erfahren? Wir bekommen schliesslich nur die geistige Nahrung, die unserer Aufnahmefähigkeit entspricht! Da müssen wir uns schon anstrengen damit wir eine höhere Belehrung verdienen!
Als Gesamtchristenheit haben wir ja nicht einmal die Weisungen Jesu in die Tat umgesetzt,; im Gegenteil sogar gegeneinander Kriege geführt!

M.E. Was würden Sie heute anders angehen, jetzt nach 40 Jahren Rückschau, und warum?
R.P. Betreffend meiner Einstellung zum Studium dieser Phänomene würde ich nichts anders machen und sie hat weiterhin seine Gültigkeit.
In dem einen Fall, wo ich das Gewebe nicht mitgenommen habe, würde ich es heute sicher anders machen.

M.E. Welchen Ratschlag geben Sie Menschen, die sich mit Parapsychologie und Spiritismus ernsthaft beschäftigen möchten ?

R.P. Der erste Rat wäre, dass sie sich zuvor gründliche theoretische Grundlagen aneignen bevor sie in die Praxis einsteigen. Das ist unerlässlich. Auch in keiner anderen Wissenschaft gehen sie an die Praxis ohne Theorie! Aber beim Spiritismus meint jeder, er könne einfach so drauf los experimentieren! Es ist nicht so. Selbst bei mir, obwohl ich schon so viel gelesen, gehört und gesehen habe ist es manchmal noch schwer festzustellen, ob ein Phänomen echt ist oder nicht. Günstig wäre es, bei spiritistischen Sitzungen ein hellsehendes Medium dabei zu haben, das dann die Jenseitigen sieht. So wäre man eher davor geschüzt, betrogen zu werden.
Wenn jemand diesen Weg gehen will, empfehle ich eine gefestigte religiöse Grundlage. Wir sollten eine gute Portion Gottvertrauen haben. Wir sollten Gottvertrauen entwickeln bis hin zur Gottverbundenheit, ein Zustand wo uns nichts mehr erschüttern kann. Wenn Sie das haben, und wenn es Ihnen um wirkliche Erkenntnis geht, dann kann eigentlich nichts mehr schief gehen. Sie wissen, Sie haben Ihren Schutzengel und Ihre geistige Führung. Die wollen ja auch, dass Sie diesen Weg gehen und unterstützen Sie nach ihren Möglichkeiten!
Wenn ich so meinen Werdegang überschaue, kann ich eine gewisse Regie erkennen. So z.B. als ich ein bestimmtes Buch zu einem gewissen Zeitpunkt erhalten habe, oder dass ich seltene Büchern zum Teil noch aus Ostblockländer erhielt, obwohl das sehr schwierig war. Daher sehen Sie, dass Ihr Arbeiten Früchte tragen wird, sofern Ihr Tun und Wollen ernsthaft ist. Und Sie werden sehen, dass Sie dabei ein glücklicherer Mensch werden, als wenn Sie von all dem nichts wüssten und einfach so in den Tag hinein lebten.
Ich kann jedem nur den Gottessegen wünschen, den ich selber oft erfahren durfte.

Muito obrigado! Vielen Dank für das Interview.

Marcel Eschbach



Bücher von Rudolf Passian:

Abenteuer Psi, (1978)
Neues Licht auf alte Wunder - Psi klärt Bibelwunderstreit (1982)
Abschied ohne Wiederkehr? (1984)
Wiedergeburt - Ein Leben oder viele? (1985)
Licht und Schatten der Esoterik (2002)
Engelsreigen

Oben:  Rudolf Passian 2002 vor einer kleinen Auswahl seiner riesigen Büchersammlung.
Unten: 2. Schweizerpreis der Schweizerischen Stiftung für Parapsychologie u.a. für            seine Erforschung der Paraphänomene in Brasilien.


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